Zum Inhalt springen
Zurück zur Startseite

Baukasten oder individuell programmiert?

Ein Baukasten wie Wix, Squarespace oder WordPress ist die richtige Wahl, wenn das Budget sehr klein ist, du die Seite selbst pflegen willst und Ladezeit für dich kein Thema ist. Individuell programmiert lohnt sich, sobald die Seite mehrere Jahre laufen soll, schnell sein muss oder Sonderwünsche hat, die kein fertiges Modul abdeckt. Über fünf Jahre gerechnet liegen beide Wege oft näher zusammen, als der Einstiegspreis vermuten lässt — der eigentliche Unterschied ist, ob dir die Seite am Ende gehört.

Wann der Baukasten die richtige Wahl ist

Es gibt Fälle, in denen ich niemandem eine gebaute Seite empfehle. Wenn du unter 200 € ausgeben kannst und die Seite vor allem existieren soll, damit man dich findet, dann nimm einen Baukasten. Wenn du Inhalte wöchentlich selbst änderst — Speisekarte, Kursplan, Öffnungszeiten — und niemanden dafür anrufen willst, ist eine Oberfläche zum Klicken ein echter Vorteil. Und wenn du jetzt startest, um in drei Monaten zu wissen, ob dein Vorhaben trägt, ist ein Abo die kleinere Verpflichtung als ein Projekt.

Dazu kommt: Ein Baukasten ist sofort da. Kein Erstgespräch, keine Abstimmung, keine Wartezeit. Für ein Wochenendprojekt ist das unschlagbar.

Die Rechnung über fünf Jahre

Kosten über fünf Jahre im Vergleich
Baukasten-Abo 20 € / Monat1.200 €
Baukasten-Abo 35 € / Monat2.100 €
Individuell 650 € + Hosting 20 € / Monat1.850 €
Individuell 650 € + Wartung 45 € / Monat3.350 €
Individuell, Hosting-Bindung 3 Jahre− 150 €

Die Abo-Beträge sind angenommene Werte innerhalb der üblichen Bandbreite; je nach Anbieter und Tarif liegen sie typischerweise zwischen 10 und 40 € pro Monat, und die Domain kommt teils noch dazu. Der Punkt der Tabelle ist nicht, dass eine Variante gewinnt: Die Größenordnungen sind ähnlich. Der Unterschied ist, dass beim Baukasten am Ende der fünf Jahre nichts dir gehört, während du im anderen Fall den Code hast und die 650 € nicht wieder anfallen.

Ladezeit

Hier ist der Unterschied technisch und nicht verhandelbar. Ein Baukasten muss für jeden denkbaren Anwendungsfall vorbereitet sein und lädt deshalb Code mit, den deine Seite nie braucht. Eine gebaute Seite lädt nur, was auf ihr vorkommt. Ladezeit ist ein Rankingfaktor bei Google, und mehr noch: Besucher am Handy springen ab, bevor eine langsame Seite erscheint. Wenn deine Kunden dich unterwegs suchen, ist das kein technisches Detail.

Abhängigkeit und Eigentum

Eine Baukastenseite lässt sich nicht mitnehmen. Du kannst Texte und Bilder kopieren, aber nicht die Seite — sie läuft nur im System des Anbieters. Was das praktisch bedeutet, merkst du erst, wenn der Anbieter die Preise anhebt, einen Tarif einstellt oder eine Funktion umbaut, auf die du gesetzt hast. Du hast dann keine Wahl außer mitzugehen.

Bei einer individuell gebauten Seite bekommst du den Quellcode. Damit kannst du das Hosting wechseln oder die Seite von jemand anderem weiterentwickeln lassen, ohne bei null anzufangen. Das ist weniger eine Technikfrage als eine Frage der Verhandlungsposition.

WordPress liegt dazwischen

WordPress läuft auf deinem eigenen Hosting, die Inhalte gehören dir, und es gibt für fast alles ein Plugin. Der Preis dafür ist Pflege: Updates für Kern, Theme und jedes Plugin, und die Abhängigkeit von Erweiterungen, die irgendwann nicht mehr gewartet werden. Wer das laufend betreut — selbst oder bezahlt —, bekommt viel Freiheit. Wer es liegen lässt, hat nach zwei Jahren eine langsame und unsichere Seite.

Wo der Baukasten an die Grenze kommt

  • Eine Funktion, für die kein Modul existiert: eine eigene Preisberechnung, eine Schnittstelle zur Warenwirtschaft, ein Ablauf, der genau zu deinem Betrieb passt.
  • Ein Design, das nicht an eine Vorlage erinnert. Anpassbar ist viel, aber das Grundraster bleibt.
  • Barrierefreiheit auf WCAG-Niveau. Du bist auf das angewiesen, was der Anbieter ausliefert, und kommst an manche Stellen nicht heran.
  • Letzte Meter bei der Ladezeit. Die schwerste Last steckt im System, nicht in deinen Inhalten.

Die Entscheidung in einem Satz

Frag dich, wie lange diese Seite laufen soll. Unter zwei Jahren oder bei wöchentlicher Selbstpflege spricht viel für den Baukasten. Ab drei Jahren, bei Tempoanspruch oder bei Sonderwünschen holst du das Geld über die Laufzeit wieder herein und hast am Ende etwas in der Hand.